Es ist ein zentrales Anliegen der Stiftung Arp e.V. die Diskussionen um das Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp lebendig zu halten. Aus diesem Grund schreibt die Stiftung seit Herbst 2014 die ARP-Forschungsstipendien aus.

Die Archiv- und Forschungsstipendien werden an Nachwuchswissenschaftler sowie an etablierte Forscher und Kuratoren vergeben, die sich mit dem Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp sowie ihrem künstlerischen und kulturellen Umfeld befassen.

a) Die Archiv- und Bibliotheksstipendien richten sich sowohl an Nachwuchswissenschaftler als auch an etablierte Wissenschaftler und Kuratoren, die sich in einem Forschungs- oder Ausstellungsprojekt mit dem Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp beschäftigen und für ihre Recherchen die Sammlung, das Archiv und die Bibliothek vor Ort nutzen möchten. Die Stipendien werden je nach Rechercheaufwand für einen Zeitraum zwischen 1 und 6 Monaten mit einer monatlichen Unterstützung zwischen 900,– und 1.200 Euro (je nach Qualifikation) vergeben. Es besteht Residenzpflicht.

b) Die Forschungsstipendien richten sich an Nachwuchswissenschaftler (Pre- und Postdoc), die sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Werk von Hans Arp und/oder Sophie Taeuber-Arp beschäftigen. Die Förderung beläuft sich auf ein Jahr mit einer monatlichen Unterstützung zwischen 900,– und 1.200,– Euro (je nach Qualifikation). Es besteht keine Residenzpflicht. Es wird jedoch erwartet, dass der Stipendiat sich mit der Sammlung und dem Archiv des Vereins beschäftigt. Voraussetzung für die Bewerbung ist die Anbindung des Projekts an einer Universität oder einem Forschungsinstitut.

Für die Bewerbung um ein Forschungs- oder Archivstipendium reichen Sie bitte folgende Unterlagen ein:

1. Lebenslauf
2. Publikationsliste
3. Projektskizze des geplanten Forschungsvorhabens (3-5 Seiten)
4. Zusammenfassung des Projekts (max. 500 Wörter)

Die Auswahl der Stipendiaten wird von einer Fachkommission vorgenommen. Für weitere Auskünfte und Fragen steht Ihnen Dr. Maike Steinkamp zur Verfügung.

E-Mail: info@stiftungarp.de
Tel.: +49 (0) 30 60 96 74 26

Die nächste Bewerbungsfrist ist der 30. November 2018. Ihre Bewerbungen richten Sie bitte digital an: info(at)stiftungarp.de 

Cole Collins, Edinburgh College of Art, The University of Edinburgh
Abstrakte feminine Formen im Werk von Hans Arp und Kurt Schwitters

Cole Collins untersucht die abstrakte Form der Skulpturen Hans Arps und Kurt Schwitters als mögliche feministische Darstellungen der weiblichen Form. Er betrachtet die Abstraktion oder Dekontextualisierung des weiblichen Körpers unter Berücksichtigung des Schwitterschen Konzeptes der Entformung und unter Berücksichtigung der queer-feministischen Idee, wie sie Jack Halberstam vertritt, dass eine Frau nicht eine „Frau werden muss“, sondern vielmehr sich ihrer Weiblichkeit entkleiden kann („unbecome woman“, J. Halberstam, The Queer Art of Failure. Durham, NC: Duke University Press, 2011, p.12.5.). Danach sind die Definitionen des Frauseins, der Frau und von Weiblichkeit verzerrt oder rekontextualisiert von einer Andersbewertung/einer „Ver-queer-ung“ des Geschlechts („queering of gender“).

Weiter untersucht Cole Collins das Konzept des Frauseins in Schwitters und Arps Werken  als ein Erkunden von Mütterlichkeit, etwa wenn man an Schwitters Darstellungen der Madonna – bzw. Gottesmutter – in seinen Collagen und Skulpturen denkt, und an Arps Skulpturen und seine Konzentration auf den Nabel. Denn die Madonna ist kein Werk konventioneller Mütterlichkeit, schwanger, während sie gleichzeitig ihre Jungfräulichkeit behält und dadurch das natürliche Konzept von Mütterlichkeit und Empfängnis zuwiderläuft. Der Nabel in Arps Werk ist ungeformt, vor allem in seinen Skulpturen ausgetieft.

Der Nabel steht am Anfang und steht für die lebensgebende Verbindung des Fötus mit der Mutter. Wenn wir erstmal den Mutterleib verlassen haben, wird die Nabelschnur abgebunden, und der Nabel heilt ab. Der Nabel in Arps Skulpturen heilt hingegen niemals ab. Daher stellt seine Ungeformtheit das Konzept der Mütterlichkeit in Frage und untergräbt damit traditionelle biologische Funktionen. Cole Collins schlägt daher vor, dass sowohl queere als auch feministische Theorien solche Darstellungen erklären könnten.

Ausgehend von den Konzepten des "Ent-Werdens", des "Un-Seins" und einer aufbrechenden Ausdrucksweise, die das Bild der Frau, wie von Halberstam vorgeschlagen, erschafft oder vielmehr destruiert, untersucht Collins, wie sich dies durch Abstraktion und Kollage auf Skulpturen übertragen ließe. Dabei wird er in seiner Untersuchung auch andere queere und feministische Theorien einbeziehen, wie die von Judith Butler, Lauren Berlant und Michael Warner formulierten.

Dr. Chara Kolokytha, Northcumbria University, UK
Hans Arps Zusammenarbeit mit dem Kunstmagazin und der Galerie Cahiers d’Art

Chara Kolokytha untersucht die Zusammenarbeit von Hans Arp mit dem Kunstmagazin und der Galerie Cahiers d’Art. Dabei möchte Kolokytha aufzuzeigen, wie Arps Kunst innerhalb des Magazins und der Galerie präsentiert wird. Die Ausgangspunkte ihrer Untersuchung sind zum einen der 1934 von Jan Brzekowski in Cahiers d’Art publizierte Text über Arp, der eine Absage an das System der „Kunstismen“ darstellt, und zum anderen die formalen Eigenschaften der Kunst Arps, die ihm einen Platz in Christian Zervos' Magazin und Galerie sicherten. Während Arp selbst seine Kunst innerhalb der künstlerischen Entwicklungen seiner Zeit verortete, wie seine Mitgliedschaft in den Künstlergruppen Abstraction Creation und Cercle et Carré und sein 1925 mit El Lissitzky herausgegebenes Buch „Die Kunstismen“ zeigen, wird seine Kunst in Cahiers d’Art als Inbegriff des individuellen Ausdrucks gefeiert.
Das Forschungsprojekt der Stipendiatin möchte diese beiden Einordnungen Arps als individueller und kollektiver Künstler beleuchten.

Dabei soll seine biomorphe Formensprache im Vergleich zu den antinaturalistischen Tendenzen der ungegenständlichen Kunst betrachtet werden ebenso wie die Art und Weise, wie diese bei formalistischen Kritikern wie Zervos rezipiert wurde. Die Ansichten, die Brzekowski in seinem 1934 publizierten Aufsatz über Arp und Taeuber-Arp formuliert, folgen den Anschauungen wie sie im Cahiers d’Art formuliert wurden, die den individuellen künstlerischen Ausdruck favorisieren. Dies macht auch Zervos' Text “Les Derniers Aspects de l’Art Non-figuratif” von 1935 deutlich, der in “Histoire de l’Art Contemporaine: La Peinture” erscheint. Zusammen mit Joan Miró und André Masson wird Arp darin für seine individuelle Ausdruckskraft gelobt.

Nach dem Streit zwischen Siegfried Giedion, Christian Zervos und der Direktion des Kunsthauses Zürich über die Auswahl der Künstler für die Ausstellung “Abstrakte Malerei und Plastik” 1934 ist es interessant zu sehen, dass Arp auch danach weiter mit Zervos zusammenarbeitete, was wohl mit dessen Wertschätzung von Arps plastischem Werk zusammenhängt. Das Forschungsprojekt von Chara Kolokytha macht es sich zur Aufgabe, die Lücken in Bezug auf Arps Verständnis der abstrakten Form zu schließen und den Aspekt von Individualität und Naturalismus in seiner Kunst durch eine eingehende Analyse von Texten, Archivmaterial und Ausstellungen zu untersuchen, die seine Zusammenarbeit mit Cahiers d’Art beleuchten.

Sabine Kriebel, University of Cork
Arp konstruiert: Fotografie und die Reproduktion

Sabine Kriebel möchte sich einem Corpus an Fotografien widmen, welche Arp zwischen Mitte der 1920er- und 1960er-Jahre von sich selbst und seinem Werk aufgenommen hat, um die gegenseitige Beeinflussung von Subjektivität und Skulptur vermittelt durch die Kamera zu studieren. Dabei möchte sie nicht nur die inszenierten Selbstporträts analysieren, in denen der Künstler eine spezielle, wenn auch eine sich stets wandelnde Persönlichkeit der Kamera zeigt, sondern auch Aufnahmen von Arp zusammen mit seinen bildhauerischen Objekten, um den Weg aufzuzeigen, wie sich künstlerische Identität und Skulptur innerhalb des fotografischen Rahmens und dahinter zusammen bilden. Fotografie transformiert die Objekte, stellt eine semiotische Struktur her – das heißt eine Entität mit Bedeutung – außerhalb des Bereichs des banalen Alltagslebens. Welche neuen Einsichten über Arp und sein bildhauerisches Werk werden durch seine Fotografien ins Leben gerufen?

Obwohl man die Porträts für ikonisch hält, interessiert sich Sabine Kriebel speziell für den seriellen und prozessualen Aspekt ihrer Herstellung, welche  „Fehler“ und „Irrtümer“ aufweisen und genauso vielfach reproduzierte Bilder beinhalten kann. Weiterhin hat sie vor, den veränderten rhetorischen Modus seiner Fotografien im Hinblick auf wechselnde Absichten für die öffentliche Präsentation aufzuzeigen.

Vom Spiel bis zur Introspektion, vom aktiven Agenten bis zum geschützten Rezipienten erzählen Arps Porträts und seine Skulpturen eine sich verändernde Sensibilität seiner künstlerischen Selbstpräsentation dem Publikum gegenüber und etwas darüber, was es bedeutet, abstrakte Skulptur im 20. Jahrhundert herzustellen.

Aufbauend auf aktuelle Forschungen, die die fotografische Repräsentation von Skulpturen untersuchen, möchte die Stipendiatin diese Studie zu Arps skulpturalen Selbstporträts in ihre derzeitige Forschung zu technologischen Repräsentationen des Individuums der Zwischenkriegszeit einbinden umrahmt von derzeitigen Forschungstendenzen in der Psychoanalyse. Die Untersuchung zu Arps Einbeziehung der Fotografie in seine Bildhauerpraxis wird auf aktuellen Forschungen basieren, die die Verflechtung des Mediums, der Subjektkonstruktion und Geschichte beleuchten. Anstatt den Mythos des Künstlers als einsam Schaffender wiederzubeleben, soll diese Studie zu Arps Selbstporträts Zusammenarbeit des Bildhauers mit dem Fotografen betonen. Häufig wird eine Fotografie zwar als transparentes Bild bewertet, doch ein Foto hat vielmehr eine vermittelnde Wechselwirkung zwischen dem Ausführenden, das heißt der Kamera, und dem Subjekt. Durch solche Fotografien – sowohl des Künstlers als auch seines Werks – wird seine Reputation verbreitet und verstärkt. Aber dabei handelt es sich um Konstruktionen, die durch die Kamera vermittelt werden, deren Bedingungen und Einsätze dieses Projekt offen legen möchte.

Gabriele Mahn, freie Kunsthistorikerin, Paris
Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp: neue Aspekte der Zusammenarbeit

Das Forschungsprojekt von Gabriele Mahn bezieht sich auf die Zusammenarbeit des Künstlerpaars Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp. Zum einen interessiert sie sich für die „Verknüpfung“ bestimmter Werke, zum anderen möchte sie sich mit bisher wenig beachteten Werken auseinandersetzen. Außerdem sollen die Beiträge der beiden Künstler zu bestimmten Werkgruppen, die bisher nicht eindeutig identifiziert werden konnten, näher untersucht werden.

Die  zahlreichen Publikationen, die sich in der Bibliothek der Stiftung Arp e. V. befinden, möchte sie des Weiteren gern nutzen, um unbekannte und wenig beachtete Aspekte der Zusammenarbeit beider Künstler zu untersuchen. Dabei geht es ihr um ausgewählte Duo-Arbeiten, im Besonderen um die Duo-Collagen.

Bei einigen Arbeiten des Künstlerpaares konnte die Entstehung für die Kunstgeschichte bisher nicht klar herausgearbeitet werden. Das betrifft besonders die Werkgruppe der Holzskulpturen. Gabriele Mahns wissenschaftliches Anliegen ist es, die Zusammenhänge und die Hintergründe der Entstehungsgeschichte dieser Werke auszuleuchten.

Im Einzelnen möchte sie die Reihe von Zeichnungen für Holzskulpturen von Sophie Taeuber-Arp näher betrachten. Diese Projekt-Zeichnungen sind teilweise vermutlich nicht als Skulpturen ausgeführt worden und auch als Original-Zeichnungen vermutlich nicht mehr erhalten mit Ausnahme der Konstruktionszeichnung (um 1930), die sich in der Sammlung der Stiftung Arp befindet.

Diese Konstruktionszeichnungen, von deren Existenz nur noch alte Fotos zeugen, stehen in engem Zusammenhang mit den Holzskulpturen von Hans Arp, die er schuf, bevor er mit Gips arbeitete, z. B. Waldtisch, wie auch mit den Skulpturen, bei denen Sophie Taeuber-Arp zeitweise als Mitautorin genannt wurde, z. B. Ein Grosser und zwei Kleine, 1931, sowie Kravatte und Nabel (um 1931) nach der genannten Konstruktionszeichnung.

Die Zusammenhänge dieser Projekte mit den Holz-Skulpturen des Paares Arp/Taeuber-Arp, wie Ehe-Plastik (1937), Wegweiser (1938) und o. T. (Kopf aus gedrechseltem Holz) (1937) von Sophie Taeuber-Arp, sollen in dieser Studie betrachtet und analysiert werden mit dem Ziel, die enge Verknüpfung beider Werkgruppen herauszustellen.

Gabriele Mahns Projekt wird materielle, formelle und ästhetische Untersuchungen bestimmter Werke beider Künstler vornehmen sowie Verbindungen der Werke untereinander herausarbeiten. Im Besonderen ist es ihr dabei wichtig, die gegenseitige Beeinflussung der Künstler in ihrer Arbeit zu zeigen und den Beitrag des einen für das Werk des anderen herauszustellen.

Susanne Nørregård Nielsen, Dozentin für Kunstgeschichte, Glasgow School of Art, Schottland
Vom Bleistift zum Papier

Susanne Nørregård Nielsens zurückliegende und gegenwärtige Forschung beschäftigt sich mit dem Einfluss textilhandwerklicher Arbeiten auf die bildende Kunst des 20. Jahrhundert. Dabei interessiert sie sich vor allem für die Verbindungen zwischen der abstrakten Malerei und der modernen Textilkunst. In ihrem Projekt wird sie sich praxisorientiert mit Sophie Taeuber-Arps Text »Bemerkungen über den Unterricht im ornamentalen Entwerfen« aus dem Jahr 1922 beschäftigen, indem sie diesen Text über das Entwerfen textiler Muster als Anwendung systematischer Regeln für das Kunstschaffen Sophie Taeubers untersucht. Der Text bildet die Grundlage für eine Reihe von Papierzeichnungen mit Bleistift, Gouache oder Tinte, die sie herstellen wird, indem sie den Gestaltungsvorgaben folgt, die Sophie Taeuber in ihrem Text beschreibt. Diese Vorgaben lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Acht Regeln befassen sich mit Fragen der Formen, also mit Rechteck, Kreis oder Linie. Die zweite Gruppe mit ebenfalls acht Lehrsätzen beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen der Farbtheorie, also mit Komplementärfarben, neutralen Farben, Farbtönen und ihren Abstufungen. Sie möchte prüfen, ob die interpretierende Anwendung der Instruktionen neue Einsichten liefern kann, um Sophie Taeubers Praxis, übergreifend in verschiedenen Medien zu arbeiten, vom Stoff zu Papier oder Leinwand, verständlich zu machen. Die Erfahrung, ein solches Konvolut an Zeichnungen angefertigt zu haben, wird der Stipendiatin einerseits helfen, neue Arbeitsmethoden für eine praxisorientierte Forschung zu formulieren, aber auch neue Erkenntnisse über die Textilarbeiten Sophie Taeubers für die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts zu gewinnen.

Ein anderer Aspekt des Forschungsaufenthaltes ist es, ein Publikationsvorhaben zu konkretisieren. Das Buch würde zum Teil aus den Vorschlägen und Regeln des Textes von Sophie Taeuber bestehen und einer Übersetzung. Mit der Gestaltung des Buchprojektes sollten sich für Studenten, Kunstwissenschaftler und Textilgestalter neue Möglichkeiten aufzeigen, die bewusst angewandten Methoden im Umgang mit dem Material nachzuvollziehen und somit ein tieferes Verständnis für das Denken Sophie Taeubers und ihre Arbeitstechnik zu entwickeln. Nicht minder interessant wäre es, wenn sich aus der spielerischen Anwendung der vorliegenden Gestaltungsprinzipien Ansätze für neue Muster und Textildesign ergäben. Dies wäre für eine junge Generation von Studenten eine neue Herangehensweise, um sich auf einer neuen Grundlage mit dem Arbeitsprozess von Sophie Taeuber zu beschäftigen.

Cécile Bargues, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Paris
Jean Arp, Sophie Taeuber-Arp und das Nachleben von Dada. Überlegungen zur Dialektik von Dekonstruktion und (Re-)Konstruktion

Die Recherchen von Cécile Bargues während ihres Stipendiums dienen zum einen dazu, eine Ausstellung vorzubereiten und zum anderen das Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp im Kontext des Nachlebens der Dada-Bewegung zu untersuchen. Ihre Forschungen zu Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Ellsworth Kelly bilden die Grundlage für die Sektion einer Ausstellung zur Kunst in Westeuropa zwischen 1948-1965, die sie derzeit am Musée moderne de la Ville de Paris als Co-Kuratorin vorbereitet. Das Forschungsinteresse von Frau Bargues konzentriert sich dabei auf Aspekte von Modularität, Zufall und Anonymität, die sowohl in den Dada-Gemeinschaftsarbeiten von Arp und Taeuber-Arp zum Ausdruck kommen als auch später in Werken von Ellsworth Kelly nach dessen Begegnung mit Arp.

In einem zweiten Schritt widmet sich Cécile Bargues während ihres Stipendiums dem Nachleben der Dada-Bewegung. Hierbei möchte sie die Dialektik von Dekonstruktion und (Re-)Konstruktion aus einer historischen, materiellen und objektbasierten Perspektive erforschen. Da die Kunst der Dada-Zeit ab den 1930er-Jahren unter der Repression autoritärer und totalitärer Regime litt, möchte Frau Bargues Informationen über die Zerstörung und den Verlust von Werken dieser Zeit zusammentragen und auswerten, eingeschlossen der Werke von Arp und Taeuber-Arp. Bargues verfolgt dabei die Absicht, die Geschichte der Objekte zu rekonstruieren und den Moment des Vergessens, der Zerstreuung und des Exils festzuhalten. Daran anschließend wird sich Frau Bargues mit Reproduktionen beschäftigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit Ausstellungen und Publikationen der Dada-Periode aufkommen. So rekonstruierte Arp nicht nur seine eigenen Arbeiten, sondern auch Werke von Sophie Taeuber-Arp und anderen Künstler (z. B. Marcel Janco). Diese „Remakes“ sollen mit anderen, ähnlichen dadaistischen Herangehensweisen verglichen werden, etwa mit Arbeiten von Marcel Janco, Hans Richter oder Raul Hausmann. Frau Bargues stellt in diesem Zusammenhang Fragen nach der Bedeutung von Kunst als Überlebensstrategie oder als Erinnerungsstücke. Zudem werden Aspekte berücksichtigt, wie der Kampf der Künstler gegen das Vergessen und das Schaffen einer eigenen Geschichte. Es wird die Frage gestellt nach der spezifischen Qualität von Kunst als Spur, als Archiv und als dauerhaft bleibendes Abbild.

Alessandro Ferraro, Kunsthistoriker, Genua
Die Arps und ihre Künstlerkollegen in den 1940er-Jahren – Die Grasse-Gruppe

Alessandro Ferraro beschäftigt sich während seines Forschungsaufenthaltes mit den Mitgliedern der sogenannten Grasse-Gruppe, einem losen Zusammenschluss von Künstlern, die sich zu Beginn der 1940er Jahre in Grasse einer kleinen Stadt in Südfrankreich zusammengefunden hatten. Zum einen möchte er das gesamte Material zur Gruppe Grasse sichten, um so die künstlerischen Beiträge der einzelnen Künstler in dieser Zeit besser bewerten zu können. Zum anderen richtet Herr Ferraro seinen Blick auf Hans Arps und Sophie Taeuber-Arps Zeit in Grasse, wobei er sowohl biografische als auch künstlerische Aspekte berücksichtigen wird. Seinen Fokus legt Ferraro dabei vor allem auf die von Hans Arp, Sonia Delaunay, Alberto Magnelli und Sophie Taeuber-Arp gemeinschaftlich gestaltete Grafikmappe Aux Norritures Terrestres, die erst 1950 verlegt werden konnte, sieben Jahre nach dem Tod Sophie Taeuber-Arps. Im Kontext dieser Analyse sollen auch die anderen Arbeiten von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp berücksichtigt werden, die in dieser Periode entstanden sind, wie Hans Arps Gedichte oder Sophie Taeuber-Arps Landschaftszeichnungen, die sich zum Teil im Musée d’art et d’histoire de Provence befinden.

Bericht Alessandro Ferraro über seinen Forschungsaufenthalt in der Stiftung April/Mai 2017

Masashi Futakami, Professor für Skulptur an der Hokkaido University of Education, Hokkaido
Eine Studie zur Lehrmethode abstrakter Skulptur basierend auf Hans Arps Formschaffen

Masashi Futakamis Ziel ist es, Hans Arps künstlerische Formensprache zu analysieren. Mit seinem Forschungsvorhaben, das auf einer Untersuchung der bildhauerischen Praxis von Arp basiert, möchte er einen neuen methodischen Ansatz für den Schulunterricht an japanischen Oberschulen entwickeln und Schülern Methoden zur Herstellung abstrakter Skulpturen vermitteln. Mit dieser Methode möchte Futakami eine größere Eigenständigkeit in der Entwicklung eigener Formen erreichen und so dem Kunstunterricht in Japan neue Impulse verleihen. Masashi Futakami möchte seinen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in Berlin dazu nutzen, ein Fotoarchiv zu erstellen, das Hans Arps künstlerischen Formprozess zeigt ebenso wie die endgültig Form der Arpschen Skulpturen dokumentiert. Dieses Archiv soll dabei helfen, eine Grammatik des Arpschen Formprozesses zu erstellen. Die Untersuchung orientiert sich sowohl an den Studien zur visuellen Sprache bei György Kepes als auch an der skulpturalen Technik von László Moholy-Nagy und Wassily Kandinsky. Das Fotoarchiv von Arps Skulpturen und die Untersuchungsergebnisse zum Formprozess bei Arp bilden die Basis, neue Modelle zu entwickeln, um angehenden Kunststudenten abstrakte Bildhauerei zu lehren. Für Studenten höherer Semester plant Futakami seine Analysen des Arpschen Werkprozesses weiter zu vertiefen. Arps künstlerischer Formprozess soll in einem breiter gefächerten Kontext der Avantgardebewegungen eingeordnet werden und im Kontext der Kunst des Dadaismus und Surrealismus ebenso wie in dem der Gedichte und Essays Arps untersucht werden.

Forschungsbericht von Masashi Futakami

Tessa Paneth-Pollak, Art Historian, Michigan State University, East Lansing
Definite Means: Arps „Cut-Outs“

Was ist ein „Cut-Out“? Kunsthistoriker bezeichnen mit diesem Begriff die Arbeiten von Henri Matisse, die dieser seit 1931 aus bunten Papieren ausgeschnitten hatte. Vornehmlich aber wurde der Begriff dazu verwendet, um diese späten Arbeiten von Matisse von seinen früheren papier collé und Collagen zu unterscheiden, die in der Tradition von Picasso und Braque stehen und allgemein als die innovativeren und radikaleren gelten. Die „Cut-Out“-Arbeiten an sich blieben jedoch bisher weitgehend unbeachtet. Die Untersuchung von Tessa Paneth-Pollak ist daher nicht nur die erste, die die Geschichte des „Cut-Out“ im 20. Jahrhundert beleuchtet, sondern gleichermaßen der erste Beitrag, der die Bedeutung des „Cut-Outs“ für die Kunst der Moderne herausstellt. Paneth-Pollak argumentiert, dass anders als in früheren Forschungen zur Collage die Künstler des 20. Jahrhunderts sich den „Cut-Outs“ zuwandten, um virulente Fragen über die abstrakte Kunst und über einige Schlüsselbegriffe der Moderne, wie dem Verhältnis von organisch und maschinell oder Vitalität und Gewalt zu verhandeln. Im Laufe ihrer bisherigen Studien stellte sich bereits heraus, dass Matisse’ berühmte „Cut-Outs“ mehr ein Kulminationspunkt als ein Ausgangspunkt waren. Daher sieht Paneth-Pollak Hans Arp als Schlüsselfigur in der Geschichte des „Cut-Outs“. Arp betrachte die „Cut-Outs“ als „festumrissene Aussage“ – als „definite means“ –, um auf die vier wichtigsten Techniken der Avantgarde zwischen 1910 und 1920 zu antworten: Collage, Abstraktion, Typographie und Fotomontage. Paneth-Pollak möchte ihren Forschungsaufenthalt in Berlin dazu nutzen, um ihre Kenntnisse über Hans Arp im Kontext des beschriebenen Projektes zu vertiefen.

Catherine Craft, Kunsthistorikerin, Nasher Sculpture Center Dallas

Im September 2018 zeigt das Nasher Sculpture Center in Dallas, Texas The Nature of Arp: Sculptures, Reliefs, Works on Paper. Es ist die erste große Museumsausstellung in den USA seit nahezu drei Jahrzehnten die sich mit den bahnbrechenden Errungenschaften des Künstlers Hans Arp beschäftigt. In einem gemeinschaftlich geschriebenen Text, der 1920 unter dem Pseudonym Alexander Partens erscheint, schreibt Hans Arp: "Er wollte die unmittelbare Produktion. Nicht anders, als wenn ein Stein vom Berg bricht, eine Blüte sich vollendet, ein Tier sich fortsetzt." Die Ausstellung The Nature of Arp möchte aufzeigen, welche künstlerischen Strategien Hans Arp entwickelte um dieses Ziel zu erreichen, indem er sich an Prozessen der Natur orientierte. Prozesse, die "nach den Gesetzen des Zufalls" entstehen, wie der Kreislauf von Geburt, Wachstum und Verwandlung sowie von Entropie, Tod und Verfall. Die Ausstellung wird circa 80 Werke unterschiedlicher Medien und aus allen Schaffensperioden Arps zeigen. Sie wird von einem wissenschaftlichen Katalog begleitet, der einen grundlegenden Aufsatz von mir sowie Beiträge von anderen Wissenschaftlern enthalten wird.

Als Kuratorin der Ausstellung habe ich den Titel der Ausstellung The Nature of Arp auch deshalb gewählt, um mein Interesse an anderen Aspekten der "Natur" des Werkes von Arp aufzuzeigen, wie zum Beispiel das Verhältnis von Arps Leben, Werk und Karriere. Die Untersuchung konzentriert sich dabei derzeit auf drei Gebiete: Arp's Beziehung zu anderen Künstlern, seine Rolle bei der Herstellung und Erhaltung von künstlerischen Netzwerken, die Zirkulation seiner Werke innerhalb dieser Netzwerke; die Rolle und Art der Präsentation seiner Kunstwerke sowie sein radikaler Ansatz in Bezug auf künstlerische Originalität und Kreativität. Meine Recherchen während des Archiv- und Bibliothekstipendiums der Stiftung Arp e.V. basieren auf den Zielen des Ausstellungsprojektes.

Bericht von Catherine Craft über ihren Forschungsaufenthalt im Archiv der Stiftung Arp e.V. publiziert im Nasher Sculpture Magazine, Herbst 2016  

Denis Lomtev, Kunst- und Musikhistoriker, Moskau

Das Thema des Forschungsvorhabens ist einer spezifischen Seite des Kunsttransfers zwischen dem westeuropäischen und dem russischen Kulturraum gewidmet. Es handelt sich um die von den russischen Künstlern der Avantgarde bewirkten und empfangenen Impulse in Bezug auf die Künstlerpersönlichkeit Hans Arp. Der Ideenaustausch und gegenseitige Einfluss zwischen ihm und seinen russischen Kollegen, von denen El Lissitzky (1890-1941) als Mediator dieser Prozesse fungierte, sollen anhand der Archiv- und Bibliotheksbestände der Stiftung Arp e.V. untersucht werden.
Das Ausreifen eines dieser Konzepte ist in den Experimenten mit räumlichen Dimensionen von Alexander Rodtschenko (1891-1956) zu beobachten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Rodtschenkos Fotografien und Fotomontagen, wobei vor allem seine Collagetechnik viele Gemeinsamkeiten mit der von Arp aufweist. Der Regisseur Sergej Eisenstein (1898-1948), dessen Name untrennbar mit der russischen Filmgeschichte verbunden ist, wirkte als Schauspieler an dem experimentellen Film Everyday mit, der nach Arps Szenario 1929 gedreht wurde. Weiterhin soll sein Konzept eines so genannten Kugelbuchs zum besseren Verständnis des kontextuellen Hintergrunds der Kontakte zwischen Hans Arp und El Lissitzky mit einbezogen werden, und zwar im Hinblick auf ihre Zusammenarbeit an der 1925 erschienen Schrift Die Kunstismen. Ein weiteres Produkt dieser Begegnung ist das von Lissitzky gemachte Fotoporträt von Arp, das eine Brücke zur russischen Literatur der Avantgarde schlägt. Lissitzky verwendete es 1928 bei der Gestaltung des Umschlags des Buches Notizen eines Dichters von Iljâ Selvinskij (1899-1968), dem Lyriker und Dramatiker des russischen Konstruktivismus. Das Werk enthält Hinweise auf die Schaffensgebiete der Dadaisten und nahm dadurch Bezug auf Hans Arp als markanten Vertreter jener künstlerischen und literarischen Bewegung.

Bericht von Denis Lomtev über seinen Rechercheaufenthalt in der Stiftung Arp im Juni 2016

Marcelo Mari, Kunsthistoriker, Universidade de Brasilia

Das Forschungsprojekt geht der Bedeutung der Ausstellung von Werken Sophie Taeuber- Arps auf der dritten Biennale von São Paulo für die Konsolidierung der konstruktiven Kunst in Brasilien in den 1950er und 1960er Jahren nach. Es war eine große Ausstellung ihrer Werke. Zu sehen waren 41 Gemälde unterschiedlicher Größen. Ohne Zweifel war die Präsentation von Sophie Taeuber-Arp der größte Erfolg der Schweizer Delegation nach dem Preis von Max Bill bei der ersten Biennale 1951. Es war eine Zeit des Kalten Krieges, in der die Nationen ihre führende Rolle innerhalb der internationalen Kulturlandschaft wiederherstellen oder bestätigen wollten. Die Kunstwelt wurde immer mehr bestimmt von den Debatten zwischen den USA und der Sowjetunion. Kritiker und Kuratoren dieser Länder nutzten die Biennale von São Paulo von Beginn an, um die Überzeugungen ihrer Ideen zu präsentieren. In diesem Kontext ist der Fall Frankreichs exemplarisch, dessen Ausstellung eine Zeitspanne vom 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart aufzeigte und nichts weniger als die Schule von Paris zeigte, geführt von Persönlichkeiten wie Germain Bazin und René Huyghe. Neben Frankreich befand sich der neue Fokus der Bildenden Künste auf der anderen Seite des Atlantiks, in den Vereinigten Staaten, vor allen Dingen in New York, das das neue Zentrum der modernen Kunst geworden war. In dieser von Kontroversen bestimmten Zeit zwischen konstruktiver und informeller Kunst, zeigten die USA mit der aktiven Unterstützung von Alfred H. Barr und Sam Hunter informelle Kunst auf der Biennale von 1957 und 1959. Die Schweizer Konkrete Kunst wies in eine andere Richtung, eine Richtung, welche die brasilianischen und südamerikanischen Künstler interessierte. Max Bill und Sophie Taeuber-Arp repräsentierten zu dieser Zeit die konstruktive Richtung der internationalen Kunst, die der Mode des Abstrakten Expressionismus aus New York und dem europäischen Informel widerstand. Auch wenn die Ausstellung von Taeuber-Arp den Trend der konstruktiven Kunst in Brasilien begründete, gibt es nur wenige Informationen warum die Schweizer Delegation diese große Ausstellung von Sophie Taeuber-Arp in São Paulo organisierte. Um mehr über die Hintergründe zu erfahren ist es wichtig die Primärquellen zu erschließen und weitere Recherchen durchzuführen, um mehr über die Bezüge zwischen der konstruktivistischen Kunst von Sophie Taeuber-Arp und den brasilianischen Künstlern der 1950er Jahre zu herauszufinden.

Bericht von Professor Mari über seine Recherchen während des ARP-Stipendiums

 

 

Theopisti Stylianou-Lambert, Museologin, Fotografin, Cyprus University of Technology

Obwohl Kenntnis darüber besteht, dass Amateurfotografie und fotografische Archive unterschiedliche Bedeutungen ausweisen, je nachdem wann und wer sie sich anschaut, gibt es fast keine tiefer gehende Analyse der privaten Fotos von Künstlern. Ironischerweise sind es aber gerade diese Fotografien, die aufgrund ihres vermeintlichen historischen Wertes, vorzugsweise katalogisiert, archiviert und für zukünftige Generationen erhalten werden. Leider werden die von Künstlern gemachten oder in deren Besitz befindlichen Fotografien meist ausschließlich zur Unterstützung kunsthistorischer Einordnungen oder Künstlerbiografien genutzt. Was dabei normalerweise ignoriert wird - und demnach noch nicht ausreichend untersucht wurde - ist die Bedeutung dieser Fotografien für die Künstler selbst sowie den zeitgenössischen Betrachter. Darüber hinaus sind weitere Untersuchungen nötig, um zu verstehen wie die Bedeutung der Bilder generiert wurde und ob diese bewusst oder unbewusst entstand. Das Forschungsprojekt möchte untersuchen, was im Laufe der Zeit mit der Materialität, der Bedeutung und der Nutzung der Fotografien von Künstlern geschieht. Das Fotoarchiv der Künstler Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, das sich in der Stiftung Arp e.V. befindet, wird dabei als Fallbeispiel dienen und zwar nicht, um das Leben der Künstler zu untersuchen, sondern das Leben ihrer Fotografien. Die Untersuchung soll zeigen, wie sich die Bedeutung der privaten Fotos von Künstlern über die Zeit wandelt, wenn sie in unterschiedlichen sozialen und historischen Bereichen und in unterschiedlichen Medien (wie Alben, Zeitschriften, Ausstellungen) benutzt werden. Um die sich wandelnde Nutzung und die Bedeutung von diesen zu verstehen, möchte ich die Herstellung, Nutzung und den Gebrauch der Fotos zu Lebzeiten der Künstler als auch nach deren Tod untersuchen. Dies sollte wertvolle Informationen darüber liefern, wie die Künstler sich selbst wahrnahmen und wie sie von Anderen wahrgenommen werden wollten. Das Projekt erschließt sowohl Erkenntnisse über die persönliche Lebensgeschichte als auch die Selbstwahrnehmung der Künstler. Darüber hinaus wird die Untersuchung der Nutzung des fotografischen Archivs nach dem Tod der Künstler, dessen Verwendung in kunsthistorischen Publikationen und Ausstellungen, viel darüber erzählen, wie Amateurfotografie dazu eingesetzt wird um kunsthistorische Erzählungen zu unterstützen. Anders formuliert: Wie wird eine ursprünglich persönlichen Lebensgeschichte in Kunstgeschichte verwandelt? Fragen der Indexikalität (was sehen wir?), Materialität (print versus digital) und der Bedeutung der Fotografie (für die verschiedenen "Darsteller") sind entscheidend bei dieser Untersuchung. Die Fotografien von Künstler werden in zwei unterschiedlichen visuellen Kommunikationssystemen untersucht, das des Familienalbums und das der Kunstgeschichte. Die Ergebnisse tragen zu den Debatten über Amateurfotografie, Performance und Identität bei sowie über den Wert und die Bedeutung von Amateurfotografie.

Bericht von Theopisti Stylianou-Lambert über ihren Forschungsaufenthalt in der Stiftung Arp im Juni 2016  

Martin Blank, Bildhauer, Antwerpen

Die Gipse in der Sammlung der Stiftung Arp e.V. sind eine wichtige Quelle für die Atelierpraxis des Bildhauers Hans Arp. Ziel der Untersuchung ist eine Rekonstruktion der Funktion der einzelnen Gipse im Arbeits- und Produktionsprozess. Dazu werden in einem ersten Schritt alle Gipse auf Bearbeitungsspuren untersucht. In einem zweiten Schritt wird auf dieser Grundlage eine Terminologie für die Gipse von Hans Arp vorgeschlagen, die als Basis für weitere Forschung nach einzelnen Exemplaren dienen kann. Im dritten Teil der Untersuchung werden alle Gipse in der Sammlung mit dieser (vorläufigen) Terminologie beschrieben. Ausgeführt wird die Untersuchung von dem Bildhauer Martin Blank, der an der Akademie in Antwerpen die verschiedenen traditionellen Techniken im Umgang mit dem Material Gips lehrt. Die Rückkopplung mit kunsthistorischen Daten, die Entwicklung der Terminologie und die Ausarbeitung für zukünftige Forschung geschieht in enger Zusammenarbeit mit Arie Hartog, dem Herausgeber der „Bestandsaufnahme“, der seit vielen Jahren zur Atelierpraxis von Arp forscht.

Stephanie Buhmann, Kunsthistorikerin, Kuratorin, New York

Das Projekt „Eine transatlantische Freundschaft – Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Frederick Kiesler“ bezieht sich auf die freundschaftlichen Beziehungen und die rege Korrespondenz zwischen Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und dem Österreichischen aber seit 1926 in New York ansässigen Künstler Frederick Kiesler (1890-1965). Die drei Künstler kannten sich seit den 1920er Jahren aus Europa. Durch ihre räumliche Trennung ergab sich die Möglichkeit einer angeregten Korrespondenz, die besonders einen intensiven Gedankenaustausch in Bezug auf die Ideen des Surrealismus, das Avantgarde Theater, die abstrakte Poesie und auf das Konzept einer räumlichen Kunst widerspiegeln. Das Projekt EINE TRANSATLATISCHE FREUNDSCHAFT sammelt und untersucht die dokumentierte Korrespondenz zwischen Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Frederick Kiesler, sowie Quellen anderer Künstler und Kunstvermittler, die sich auf die Freundschaft und Zusammenarbeit der drei Künstler beziehen. Überdies werden verschiedene Arbeiten der drei Künstler besprochen, die diesen Austausch, parallele Interessen und kreative Grundsätze auch visuell dokumentieren.

Agathe Mareuge, Germanistin, Universität Paris-Sorbonne

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Vorbereitung zu einer kritischen Werkausgabe des literarischen Gesamtwerks von Jean (Hans) Arp, welche die Dichtung – darunter auch die essayistischen Texte – in deutscher und in französischer Sprache umfassen soll. Bei der Entwicklung einer solchen Werkausgabe soll es nicht nur um eine reine Dokumentation der arpschen Poesie gehen, sondern vielmehr auch um die Deutung ihrer poetologischen und ästhetischen Ansätze und ihrer Kontextualisierung innerhalb der europäischen Avantgarde und der Nachkriegsmoderne. Die kritische Werkausgabe soll einen genaueren Einblick sowohl in den dichterischen als auch in den künstlerischen Schaffensprozess Arps gewähren, indem ähnliche Verfahrensweisen und Techniken erkennbar werden. Arps Tätigkeit als Herausgeber wird als wesentlicher Bestandteil seiner Poetik verstanden, wobei er zudem als einer der ersten Literaturhistoriker der Dada-Bewegung auftritt. Eine Gesamtausgabe mit umfassendem textkritischem Apparat, eingehendem Kommentarteil und vollständigem Register soll diese unterschiedlichen Aspekte im Œuvre des Dadaisten erhellen und eine fundierte editorische Grundlage zur weiteren Auseinandersetzung mit Arps Werk und mit dem Erbe der europäischen Avantgarden bieten. Im Rahmen des Stipendiums sollen mit Hilfe des Archivs und der Bibliothek der Stiftung Arp e.V. und der dort verwalteten Korrespondenz und Originalausgaben sowie weiterer Primär- und Sekundärliteratur ein tragfähiges Konzept für eine solche Werkausgabe entwickelt und die konkreten Bedingungen dafür erarbeitet werden.

Eric Robertson, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Royal Holloway, University of London

Das Forschungsvorhaben während des Stipendienzeitraum ist ein zweifaches und hängt mit der langjährigen kritischen Auseinandersetzung von Robertson mit dem Werk von Hans (Jean) Arp zusammen. Zum einen wird er einen eingehenden Blick auf die Korrespondenz zwischen Hans Arp und Curt Valentin und auf andere Dokumente ihrer Beziehung werfen. Die Recherchen werden sich auf eine Analyse von „Dreams and Projects“ konzentrieren, einen Band, den Arp mit der Hilfe von Curt Valentin herausgegeben hat. Zum anderen wird der Aufenthalt im Archiv und in der Bibliothek der Stiftung Arp e.V. Robertsons Forschungen zu seinem aktuellen Buch über Hans Arp unterstützen, welches die große Ausstellung zum Werk von Hans Arp am Hepworth Wakefiled 2016 begleiten wird. Durch den Zugang zu der umfassenden Arp Korrespondenz, ebenso wie zu den Gipsen und anderen Werken der Sammlung erhofft sich Robertson den kreativen Schaffensprozess der Arps vielfältiges künstlerisches Werk begleitet, neu zu reflektieren.

Marta Smolińska, Kunsthistorikerin, Universität der Künste Poznań

Das Forschungsprojekt setzt sich mit der haptische Perzeption und der Rolle des Tastsinns in der Kunst und Kunsttheorie von Hans Arp auseinander. Wie bei Henry Moore und Constantin Brâncuși spielt die Taktilität in der Kunst von Hans Arp eine besondere Rolle. Bis heute fehlt jedoch eine gründliche Analyse der haptischen Wahrnehmung des Arpschen Werks. Mit dem Projekt soll die Aufmerksamkeit auf diejenigen Werke von Arp gelenkt werden, die mit dem von Alois Riegl entwickelten Begriff „haptisch” umschrieben werden können. Meiner Meinung nach kann eine kunstgeschichtliche Bearbeitung der Rolle des Tastsinns in der modernen und zeitgenössischen Kunst ohne die Analyse der Taktilität der Skulpturen Arps nicht durchgeführt werden. Viele KünstlerInnen, die sich mit dem Tastsinn in ihren Kunstschaffen intensiv befassen, berufen sich auf die für sie inspirierend wirkenden Werke von Arp. Ziel des Projektes ist mit Hilfe der Skulpturen von Arp als auch mit dem existierenden Archivmaterial eine Definition des Haptischen und der Taktilität auf der Basis von Arps Werken zu formulieren. Das Projekt soll nicht nur dazu beitragen einen neuen Zugang zu den Skulpturen von Hans Arp zu bekommen, sondern auch zu einer neuen bzw. modifizierten Definition des Haptischen/Taktiken in der Kunst beitragen.

Brandon Taylor, Professor Emeritus in History of Art, University of Southampton and Tutor in History and Theory of Art, University of Oxford, UK

Taylors Forschungen konzentrieren sich auf die Rezeption von Hans Arp in den USA in den 1940er und 1950er Jahren. Es ist ein Thema, das insbesondere vor dem Hintergrund der spezifischen künstlerischen und politischen Situation in den USA in dieser Zeit von besonderem Interesse ist, gerade auch im Vergleich zu den Werten und Bestrebungen der europäischen DADA-Bewegung. Ausgangspunkt der Untersuchung sind die sogenannten Duo-Zeichnungen und zerrissenen Collagen, die von Hans Arp und Sophie Taeuber gemeinsam seit den 1930er Jahren entstanden. Miteinfließen werden darüber hinaus die ersten Marmor- und Steinplastiken, die Arp in den 1930er Jahren schuf, und mit denen er die tradierten Werte formaler Ganzheit zugunsten einer additiven, formal kohärenten skulpturalen Praxis, aufgibt; dies tat er, ganz in dem Bewusstsein sich formaler Inkohärenz zu nähern. Die Aufgabe dieser künstlerischen „Ganzheit”-Modelle, lässt an die sogenannten Gestalttheorie in der Psychologie der Berliner Schule denken, ebenso wie an die Ganzheitspsychologie der Leipziger Theoretiker der 1920er und 1930er Jahre. Die dort formulierten Wahrnehmungs- und Erkenntnismodelle wurden innerhalb der europäischen Phänemologie und ährend des Existezialismus krisiert oder ausgeweitet; letzterer wurde nicht ohne essentielle Änderungen in die Nachrkriegskultur der USA übersetzt. Die Karriere von Richard Huelsenbeck, Hans Arps Mitstreiter während der Dada-Zeit, ist ein interessantes Fallbeispiel für diese und ähnliche Entwicklungen. Taylors Forschungen werden sich insbesondere mit den schriftlichen und fotografischen Inhalten von Publikationen wie dem von Robert Motherwell herausgegebenen Band „Hans Arp. On my way” beschäftigen, die in der gefeierten Serie „Documents of Modern Art” erschien und von Witteborn Schulz 1947 verlegt wurde. Mit berücksichtigt werden ebenso Arps Beteiligung in der Anthologie „The Dada Painters and Poets” (1951), ebenfalls von Motherwell herausgegen, sowie die Rezeption von Arps Einzelausstellungen in der Buchholz Gallery 1949 und 1950 sowie die große Hans Arp Retrospektive im Museum of Modern Art in New York 1958. Die Recherchen stehen im Kontext mit der Tagung 'Hans Arp und die USA', die Im Juni 2015 von der Stiftung Arp e.V. veranstaltet wi