Forschung & PROJEKTE

Stipendien

Es ist ein zentrales Anliegen der Stiftung Arp e.V. die Diskussionen um das Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp lebendig zu halten. Aus diesem Grund hat sich die Stiftung entschlossen ab Herbst 2014 die ARP-Forschungsstipendien auszuschreiben.

Die Archiv- und Forschungsstipendien werden an Nachwuchswissenschaftler sowie an etablierte Forscher und Kuratoren vergeben, die sich mit dem Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp sowie ihrem künstlerischen und kulturellen Umfeld befassen.

a) Die Archiv- und Bibliotheksstipendien richten sich sowohl an Nachwuchswissenschaftler als auch an etablierte Wissenschaftler und Kuratoren, die sich in einem Forschungs- oder Ausstellungsprojekt mit dem Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp beschäftigen und für ihre Recherchen die Sammlung, das Archiv und die Bibliothek vor Ort nutzen möchten. Die Stipendien werden je nach Rechercheaufwand für einen Zeitraum zwischen 1 und 6 Monaten mit einer monatlichen Unterstützung zwischen 900,– und 1.200 Euro (je nach Qualifikation) vergeben. Es besteht Residenzpflicht.

b) Die Forschungsstipendien richten sich an Nachwuchswissenschaftler (Pre- und Postdoc), die sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Werk von Hans Arp und/oder Sophie Taeuber-Arp beschäftigen. Die Förderung beläuft sich auf ein Jahr mit einer monatlichen Unterstützung zwischen 900,– und 1.200,– Euro (je nach Qualifikation). Es besteht keine Residenzpflicht. Es wird jedoch erwartet, dass der Stipendiat sich mit der Sammlung und dem Archiv des Vereins beschäftigt. Voraussetzung für die Bewerbung ist die Anbindung des Projekts an einer Universität oder einem Forschungsinstitut.

Für die Bewerbung um ein Forschungs- oder Archivstipendium reichen Sie bitte folgende Unterlagen ein:

1. Lebenslauf
2. Publikationsliste
3. Projektskizze des geplanten Forschungsvorhabens (3-5 Seiten)
4. Zusammenfassung des Projekts (max. 500 Wörter)

Die Auswahl der Stipendiaten wird von einer Fachkommission vorgenommen. Für weitere Auskünfte und Fragen steht Ihnen Dr. Maike Steinkamp zur Verfügung.

E-Mail: steinkamp@stiftungarp.de
Tel.: +49 (0) 30 60 96 74 26

Die nächste Bewerbungsfrist ist der 30. November 2017. Ihre Bewerbungen richten Sie bitte digital an: steinkamp@stiftungarp.de 

 

Stipendiaten 2017

 

Cécile Bargues, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Paris
Jean Arp, Sophie Taeuber-Arp und das Nachleben von Dada. Überlegungen zur Dialektik von Dekonstruktion und (Re-)Konstruktion

Die Recherchen von Cécile Bargues während ihres Stipendiums dienen zum einen dazu, eine Ausstellung vorzubereiten und zum anderen das Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp im Kontext des Nachlebens der Dada-Bewegung zu untersuchen. Ihre Forschungen zu Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Ellsworth Kelly bilden die Grundlage für die Sektion einer Ausstellung zur Kunst in Westeuropa zwischen 1948-1965, die sie derzeit am Musée moderne de la Ville de Paris als Co-Kuratorin vorbereitet. Das Forschungsinteresse von Frau Bargues konzentriert sich dabei auf Aspekte von Modularität, Zufall und Anonymität, die sowohl in den Dada-Gemeinschaftsarbeiten von Arp und Taeuber-Arp zum Ausdruck kommen als auch später in Werken von Ellsworth Kelly nach dessen Begegnung mit Arp.
In einem zweiten Schritt widmet sich Cécile Bargues während ihres Stipendiums dem Nachleben der Dada-Bewegung. Hierbei möchte sie die Dialektik von Dekonstruktion und (Re-)Konstruktion aus einer historischen, materiellen und objektbasierten Perspektive erforschen. Da die Kunst der Dada-Zeit ab den 1930er-Jahren unter der Repression autoritärer und totalitärer Regime litt, möchte Frau Bargues Informationen über die Zerstörung und den Verlust von Werken dieser Zeit zusammentragen und auswerten, eingeschlossen der Werke von Arp und Taeuber-Arp. Bargues verfolgt dabei die Absicht, die Geschichte der Objekte zu rekonstruieren und den Moment des Vergessens, der Zerstreuung und des Exils festzuhalten. Daran anschließend wird sich Frau Bargues mit Reproduktionen beschäftigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit Ausstellungen und Publikationen der Dada-Periode aufkommen. So rekonstruierte Arp nicht nur seine eigenen Arbeiten, sondern auch Werke von Sophie Taeuber-Arp und anderen Künstler (z. B. Marcel Janco). Diese „Remakes“ sollen mit anderen, ähnlichen dadaistischen Herangehensweisen verglichen werden, etwa mit Arbeiten von Marcel Janco, Hans Richter oder Raul Hausmann. Frau Bargues stellt in diesem Zusammenhang Fragen nach der Bedeutung von Kunst als Überlebensstrategie oder als Erinnerungsstücke. Zudem werden Aspekte berücksichtigt, wie der Kampf der Künstler gegen das Vergessen und das Schaffen einer eigenen Geschichte. Es wird die Frage gestellt nach der spezifischen Qualität von Kunst als Spur, als Archiv und als dauerhaft bleibendes Abbild.

Alessandro Ferraro, Kunsthistoriker, Genua
Die Arps und ihre Künstlerkollegen in den 1940er-Jahren – Die Grasse-Gruppe

Alessandro Ferraro beschäftigt sich während seines Forschungsaufenthaltes mit den Mitgliedern der sogenannten Grasse-Gruppe, einem losen Zusammenschluss von Künstlern, die sich zu Beginn der 1940er Jahre in Grasse einer kleinen Stadt in Südfrankreich zusammengefunden hatten.  Zum einen möchte er das gesamte Material zur Gruppe Grasse sichten, um so die künstlerischen Beiträge der einzelnen Künstler in dieser Zeit besser bewerten zu können. Zum anderen richtet Herr Ferraro seinen Blick auf Hans Arps und Sophie Taeuber-Arps Zeit in Grasse, wobei er sowohl biografische als auch künstlerische Aspekte berücksichtigen wird. Seinen Fokus legt Ferraro dabei vor allem auf die von Hans Arp, Sonia Delaunay, Alberto Magnelli und Sophie Taeuber-Arp gemeinschaftlich gestaltete Grafikmappe Aux Norritures Terrestres, die erst 1950 verlegt werden konnte, sieben Jahre nach dem Tod Sophie Taeuber-Arps. Im Kontext dieser Analyse sollen auch die anderen Arbeiten von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp berücksichtigt werden, die in dieser Periode entstanden sind, wie Hans Arps Gedichte oder Sophie Taeuber-Arps Landschaftszeichnungen, die sich zum Teil im Musée d’art et d’histoire de Provence befinden.

Masashi Futakami, Professor für Skulptur an der Hokkaido University of Education, Hokkaido
Eine Studie zur Lehrmethode abstrakter Skulptur basierend auf Hans Arps Formschaffen

Masashi Futakamis Ziel ist es, Hans Arps künstlerische Formensprache zu analysieren. Mit seinem Forschungsvorhaben, das auf einer Untersuchung der bildhauerischen Praxis von Arp basiert, möchte er einen neuen methodischen Ansatz für den Schulunterricht an japanischen Oberschulen entwickeln und Schülern Methoden zur Herstellung abstrakter Skulpturen vermitteln. Mit dieser Methode möchte Futakami eine größere Eigenständigkeit in der Entwicklung eigener Formen erreichen und so dem Kunstunterricht in Japan neue Impulse verleihen.
Masashi Futakami möchte seinen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in Berlin dazu nutzen, ein Fotoarchiv zu erstellen, das Hans Arps künstlerischen Formprozess zeigt ebenso wie die endgültig Form der Arpschen Skulpturen dokumentiert. Dieses Archiv soll dabei helfen, eine Grammatik des Arpschen Formprozesses zu erstellen. Die Untersuchung orientiert sich sowohl an den Studien zur visuellen Sprache bei György Kepes als auch an der skulpturalen Technik von László Moholy-Nagy und Wassily Kandinsky.
Das Fotoarchiv von Arps Skulpturen und die Untersuchungsergebnisse zum Formprozess bei Arp bilden die Basis, neue Modelle zu entwickeln, um angehenden Kunststudenten abstrakte Bildhauerei zu lehren. Für Studenten höherer Semester plant Futakami seine Analysen des Arpschen Werkprozesses weiter zu vertiefen. Arps künstlerischer Formprozess soll in einem breiter gefächerten Kontext der Avantgardebewegungen eingeordnet werden und im Kontext der Kunst des Dadaismus und Surrealismus ebenso wie in dem der Gedichte und Essays Arps untersucht werden.

Tessa Paneth-Pollak, Art Historian, Michigan State University, East Lansing
Definite Means: Arps „Cut-Outs“

Was ist ein „Cut-Out“? Kunsthistoriker bezeichnen mit diesem Begriff die Arbeiten von Henri Matisse, die dieser seit 1931 aus bunten Papieren ausgeschnitten hatte. Vornehmlich aber wurde der Begriff dazu verwendet, um diese späten Arbeiten von Matisse von seinen früheren papier collé und Collagen zu unterscheiden, die in der Tradition von Picasso und Braque stehen und allgemein als die innovativeren und radikaleren gelten.
Die „Cut-Out“-Arbeiten an sich blieben jedoch bisher weitgehend unbeachtet. Die Untersuchung von Tessa Paneth-Pollak ist daher nicht nur die erste, die die Geschichte des „Cut-Out“ im 20. Jahrhundert beleuchtet, sondern gleichermaßen der erste Beitrag, der die Bedeutung des „Cut-Outs“ für die Kunst der Moderne herausstellt. Paneth-Pollak argumentiert, dass anders als in früheren Forschungen zur Collage die Künstler des 20. Jahrhunderts sich den „Cut-Outs“ zuwandten, um virulente Fragen über die abstrakte Kunst und über einige Schlüsselbegriffe der Moderne, wie dem Verhältnis von organisch und maschinell oder Vitalität und Gewalt zu verhandeln. Im Laufe ihrer bisherigen Studien stellte sich bereits heraus, dass Matisse’ berühmte „Cut-Outs“ mehr ein Kulminationspunkt als ein Ausgangspunkt waren. Daher sieht Paneth-Pollak Hans Arp als Schlüsselfigur in der Geschichte des „Cut-Outs“. Arp betrachte die „Cut-Outs“ als „festumrissene Aussage“ – als „definite means“ –, um auf die vier wichtigsten Techniken der Avantgarde zwischen 1910 und 1920 zu antworten: Collage, Abstraktion, Typographie und Fotomontage. Paneth-Pollak möchte ihren Forschungsaufenthalt in Berlin dazu nutzen, um ihre Kenntnisse über Hans Arp im Kontext des beschriebenen Projektes zu vertiefen.

Stipendiaten 2016

Dr. Catherine Craft, Kunsthistorikerin, Nasher Sculpture Center Dallas

Im September 2018 zeigt das Nasher Sculpture Center in Dallas, Texas The Nature of Arp: Sculptures, Reliefs, Works on Paper. Es ist die erste große Museumsausstellung in den USA seit nahezu drei Jahrzehnten die sich mit den bahnbrechenden Errungenschaften des Künstlers Hans Arp beschäftigt.
In einem gemeinschaftlich geschriebenen Text, der 1920 unter dem Pseudonym Alexander Partens erscheint, schreibt Hans Arp: "Er wollte die unmittelbare Produktion. Nicht anders, als wenn ein Stein vom Berg bricht, eine Blüte sich vollendet, ein Tier sich fortsetzt." Die Ausstellung The Nature of Arp möchte aufzeigen, welche künstlerischen Strategien Hans Arp entwickelte um dieses Ziel zu erreichen, indem er sich an Prozessen der Natur orientierte. Prozesse, die "nach den Gesetzen des Zufalls" entstehen, wie der Kreislauf von Geburt, Wachstum und Verwandlung sowie von Entropie, Tod und Verfall. Die Ausstellung wird circa 80 Werke unterschiedlicher Medien und aus allen Schaffensperioden Arps zeigen. Sie wird von einem wissenschaftlichen Katalog begleitet, der einen grundlegenden Aufsatz von mir sowie Beiträge von anderen Wissenschaftlern enthalten wird.
Als Kuratorin der Ausstellung habe ich den Titel der Ausstellung The Nature of Arp auch deshalb gewählt, um mein Interesse an anderen Aspekten der "Natur" des Werkes von Arp aufzuzeigen, wie zum Beispiel das Verhältnis von Arps Leben, Werk und Karriere. Die Untersuchung konzentriert sich dabei derzeit auf drei Gebiete: Arp's Beziehung zu anderen Künstlern, seine Rolle bei der Herstellung und Erhaltung von künstlerischen Netzwerken, die Zirkulation seiner Werke innerhalb dieser Netzwerke; die Rolle und Art der Präsentation seiner Kunstwerke sowie sein radikaler Ansatz in Bezug auf künstlerische Originalität und Kreativität. Meine Recherchen während des Archiv- und Bibliothekstipendiums der Stiftung Arp e.V. basieren auf den Zielen des Ausstellungsprojektes.

Bericht von Catherine Craft über ihren Forschungsaufenthalt im Archiv der Stiftung Arp e.V. publiziert im Nasher Sculpture Magazine, Herbst 2016

 

Dr. Denis Lomtev, Kunst- und Musikhistoriker, Moskau 

Das Thema des geplanten Forschungsvorhabens ist einer spezifischen Seite des Kunsttransfers zwischen dem westeuropäischen und dem russischen Kulturraum gewidmet. Es handelt sich um die von den russischen Künstlern der Avantgarde bewirkten und empfangenen Impulse in Bezug auf die Künstlerpersönlichkeit Hans Arp. Der Ideenaustausch und gegenseitige Einfluss zwischen ihm und seinen russischen Kollegen, von denen El Lissitzky (1890-1941) als Mediator dieser Prozesse fungierte, sollen anhand der Archiv- und Bibliotheksbestände der Stiftung Arp e.V. untersucht werden.
Das Ausreifen eines dieser Konzepte ist in den Experimenten mit räumlichen Dimensionen von Alexander Rodtschenko (1891-1956) zu beobachten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Rodtschenkos Fotografien und Fotomontagen, wobei vor allem seine Collagetechnik viele Gemeinsamkeiten mit der von Arp aufweist. Der Regisseur Sergej Eisenstein (1898-1948), dessen Name untrennbar mit der russischen Filmgeschichte verbunden ist, wirkte als Schauspieler an dem experimentellen Film Everyday mit, der nach Arps Szenario 1929 gedreht wurde. Weiterhin soll sein Konzept eines so genannten Kugelbuchs zum besseren Verständnis des kontextuellen Hintergrunds der Kontakte zwischen Hans Arp und El Lissitzky mit einbezogen werden, und zwar im Hinblick auf ihre Zusammenarbeit an der 1925 erschienen Schrift Die Kunstismen.
Ein weiteres Produkt dieser Begegnung ist das von Lissitzky gemachte Fotoporträt von Arp, das eine Brücke zur russischen Literatur der Avantgarde schlägt. Lissitzky verwendete es 1928 bei der Gestaltung des Umschlags des Buches Notizen eines Dichters von Iljâ Selvinskij (1899-1968), dem Lyriker und Dramatiker des russischen Konstruktivismus. Das Werk enthält Hinweise auf die Schaffensgebiete der Dadaisten und nahm dadurch Bezug auf Hans Arp als markanten Vertreter jener künstlerischen und literarischen Bewegung.

Bericht von Denis Lomtev über seinen Rechercheaufenthalt in der Stiftung Arp im Juni 2016

 

Professor Marcelo Mari, Art Historian, Universidade de Brasilia 

Das Forschungsprojekt geht der Bedeutung der Ausstellung von Werken Sophie Taeuber- Arps auf der dritten Biennale von São Paulo für die Konsolidierung der konstruktiven Kunst in Brasilien in den 1950er und 1960er Jahren nach. Es war eine große Ausstellung ihrer Werke. Zu sehen waren 41 Gemälde unterschiedlicher Größen. Ohne Zweifel war die Präsentation von Sophie Taeuber-Arp der größte Erfolg der Schweizer Delegation nach dem Preis von Max Bill bei der ersten Biennale 1951. Es war eine Zeit des Kalten Krieges, in der die Nationen ihre führende Rolle innerhalb der internationalen Kulturlandschaft wiederherstellen oder bestätigen wollten. Die Kunstwelt wurde immer mehr bestimmt von den Debatten zwischen den USA und der Sowjetunion. Kritiker und Kuratoren dieser Länder nutzten die Biennale von São Paulo von Beginn an, um die Überzeugungen ihrer Ideen zu präsentieren. In diesem Kontext ist der Fall Frankreichs exemplarisch, dessen Ausstellung eine Zeitspanne vom 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart aufzeigte und nichts weniger als die Schule von Paris zeigte, geführt von Persönlichkeiten wie Germain Bazin und René Huyghe.
Neben Frankreich befand sich der neue Fokus der Bildenden Künste auf der anderen Seite des Atlantiks, in den Vereinigten Staaten, vor allen Dingen in New York, das das neue Zentrum der modernen Kunst geworden war. In dieser von Kontroversen bestimmten Zeit zwischen konstruktiver und informeller Kunst, zeigten die USA mit der aktiven Unterstützung von Alfred H. Barr und Sam Hunter informelle Kunst auf der Biennale von 1957 und 1959. Die Schweizer Konkrete Kunst wies in eine andere Richtung, eine Richtung, welche die brasilianischen und südamerikanischen Künstler interessierte. Max Bill und Sophie Taeuber-Arp repräsentierten zu dieser Zeit die konstruktive Richtung der internationalen Kunst, die der Mode des Abstrakten Expressionismus aus New York und dem europäischen Informel widerstand.
Auch wenn die Ausstellung von Taeuber-Arp den Trend der konstruktiven Kunst in Brasilien begründete, gibt es nur wenige Informationen warum die Schweizer Delegation diese große Ausstellung von Sophie Taeuber-Arp in São Paulo organisierte. Um mehr über die Hintergründe zu erfahren ist es wichtig die Primärquellen zu erschließen und weitere Recherchen durchzuführen, um mehr über die Bezüge zwischen der konstruktivistischen Kunst von Sophie Taeuber-Arp und den brasilianischen Künstlern der 1950er Jahre zu herauszufinden.

Bericht von Professor Mari über seine Recherchen während des ARP-Stipendiums

 

Dr. Theopisti Stylianou-Lambert, Museologin, Fotografin, Cyprus University of Technology

Obwohl Kenntnis darüber besteht, dass Amateurfotografie und fotografische Archive unterschiedliche Bedeutungen ausweisen, je nachdem wann und wer sie sich anschaut, gibt es fast keine tiefer gehende Analyse der privaten Fotos von Künstlern. Ironischerweise sind es aber gerade diese Fotografien, die aufgrund ihres vermeintlichen historischen Wertes, vorzugsweise katalogisiert, archiviert und für zukünftige Generationen erhalten werden. Leider werden die von Künstlern gemachten oder in deren Besitz befindlichen Fotografien meist ausschließlich zur Unterstützung kunsthistorischer Einordnungen oder Künstlerbiografien genutzt. Was dabei normalerweise ignoriert wird - und demnach noch nicht ausreichend untersucht wurde - ist die Bedeutung dieser Fotografien für die Künstler selbst sowie den zeitgenössischen Betrachter. Darüber hinaus sind weitere Untersuchungen nötig, um zu verstehen wie die Bedeutung der Bilder generiert wurde und ob diese bewusst oder unbewusst entstand.
Das Forschungsprojekt möchte untersuchen, was im Laufe der Zeit mit der Materialität, der Bedeutung und der Nutzung der Fotografien von Künstlern geschieht. Das Fotoarchiv der Künstler Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, das sich in der Stiftung Arp e.V. befindet, wird dabei als Fallbeispiel dienen und zwar nicht, um das Leben der Künstler zu untersuchen, sondern das Leben ihrer Fotografien. Die Untersuchung soll zeigen, wie sich die Bedeutung der privaten Fotos von Künstlern über die Zeit wandelt, wenn sie in unterschiedlichen sozialen und historischen Bereichen und in unterschiedlichen Medien (wie Alben, Zeitschriften, Ausstellungen) benutzt werden. Um die sich wandelnde Nutzung und die Bedeutung von diesen zu verstehen, möchte ich die Herstellung, Nutzung und den Gebrauch der Fotos zu Lebzeiten der Künstler als auch nach deren Tod untersuchen. Dies sollte wertvolle Informationen darüber liefern, wie die Künstler sich selbst wahrnahmen und wie sie von Anderen wahrgenommen werden wollten. Das Projekt erschließt sowohl Erkenntnisse über die persönliche Lebensgeschichte als auch die Selbstwahrnehmung der Künstler. Darüber hinaus wird die Untersuchung der Nutzung des fotografischen Archivs nach dem Tod der Künstler, dessen Verwendung in kunsthistorischen Publikationen und Ausstellungen, viel darüber erzählen, wie Amateurfotografie dazu eingesetzt wird um kunsthistorische Erzählungen zu unterstützen. Anders formuliert: Wie wird eine ursprünglich persönlichen Lebensgeschichte in Kunstgeschichte verwandelt? Fragen der Indexikalität (was sehen wir?), Materialität (print versus digital) und der Bedeutung der Fotografie (für die verschiedenen "Darsteller") sind entscheidend bei dieser Untersuchung. Die Fotografien von Künstler werden in zwei unterschiedlichen visuellen Kommunikationssystemen untersucht, das des Familienalbums und das der Kunstgeschichte. Die Ergebnisse tragen zu den Debatten über Amateurfotografie, Performance und Identität bei sowie über den Wert und die Bedeutung von Amateurfotografie.


Bericht von Theopisti Stylianou-Lambert über ihren Forschungsaufenthalt in der Stiftung Arp im Juni 2016

 

Stipendiaten 2015

 

Martin Blank, Bildhauer, Antwerpen 

Die Gipse in der Sammlung der Stiftung Arp e.V. sind eine wichtige Quelle für die Atelierpraxis des Bildhauers Hans Arp. Ziel der Untersuchung ist eine Rekonstruktion der Funktion der einzelnen Gipse im Arbeits- und Produktionsprozess. Dazu werden in einem ersten Schritt alle Gipse auf Bearbeitungsspuren untersucht. In einem zweiten Schritt wird auf dieser Grundlage eine Terminologie für die Gipse von Hans Arp vorgeschlagen, die als Basis für weitere Forschung nach einzelnen Exemplaren dienen kann. Im dritten Teil der Untersuchung werden alle Gipse in der Sammlung mit dieser (vorläufigen) Terminologie beschrieben. Ausgeführt wird die Untersuchung von dem Bildhauer Martin Blank, der an der Akademie in Antwerpen die verschiedenen traditionellen Techniken im Umgang mit dem Material Gips lehrt. Die Rückkopplung mit kunsthistorischen Daten, die Entwicklung der Terminologie und die Ausarbeitung für zukünftige Forschung geschieht in enger Zusammenarbeit mit Arie Hartog, dem Herausgeber der „Bestandsaufnahme“, der seit vielen Jahren zur Atelierpraxis von Arp forscht.

Stephanie Buhmann, M.A., Kunsthistorikerin, Kuratorin, New York

Das Projekt „Eine transatlantische Freundschaft – Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Frederick Kiesler“ bezieht sich auf die freundschaftlichen Beziehungen und die rege Korrespondenz zwischen Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und dem Österreichischen aber seit 1926 in New York ansässigen Künstler Frederick Kiesler (1890-1965). Die drei Künstler kannten sich seit den 1920er Jahren aus Europa. Durch ihre räumliche Trennung ergab sich die Möglichkeit einer angeregten Korrespondenz, die besonders einen intensiven Gedankenaustausch in Bezug auf die Ideen des Surrealismus, das Avantgarde Theater, die abstrakte Poesie und auf das Konzept einer räumlichen Kunst widerspiegeln. Das Projekt EINE TRANSATLATISCHE FREUNDSCHAFT sammelt und untersucht die dokumentierte Korrespondenz zwischen Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Frederick Kiesler, sowie Quellen anderer Künstler und Kunstvermittler, die sich auf die Freundschaft und Zusammenarbeit der drei Künstler beziehen. Überdies werden verschiedene Arbeiten der drei Künstler besprochen, die diesen Austausch, parallele Interessen und kreative Grundsätze auch visuell dokumentieren.

Dr. Agathe Mareuge, Germanistin, Universität Paris-Sorbonne

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Vorbereitung zu einer kritischen Werkausgabe des literarischen Gesamtwerks von Jean (Hans) Arp, welche die Dichtung – darunter auch die essayistischen Texte – in deutscher und in französischer Sprache umfassen soll. Bei der Entwicklung einer solchen Werkausgabe soll es nicht nur um eine reine Dokumentation der arpschen Poesie gehen, sondern vielmehr auch um die Deutung ihrer poetologischen und ästhetischen Ansätze und ihrer Kontextualisierung innerhalb der europäischen Avantgarde und der Nachkriegsmoderne. Die kritische Werkausgabe soll einen genaueren Einblick sowohl in den dichterischen als auch in den künstlerischen Schaffensprozess Arps gewähren, indem ähnliche Verfahrensweisen und Techniken erkennbar werden. Arps Tätigkeit als Herausgeber wird als wesentlicher Bestandteil seiner Poetik verstanden, wobei er zudem als einer der ersten Literaturhistoriker der Dada-Bewegung auftritt. Eine Gesamtausgabe mit umfassendem textkritischem Apparat, eingehendem Kommentarteil und vollständigem Register soll diese unterschiedlichen Aspekte im Œuvre des Dadaisten erhellen und eine fundierte editorische Grundlage zur weiteren Auseinandersetzung mit Arps Werk und mit dem Erbe der europäischen Avantgarden bieten. Im Rahmen des Stipendiums sollen mit Hilfe des Archivs und der Bibliothek der Stiftung Arp e.V. und der dort verwalteten Korrespondenz und Originalausgaben sowie weiterer Primär- und Sekundärliteratur ein tragfähiges Konzept für eine solche Werkausgabe entwickelt und die konkreten Bedingungen dafür erarbeitet werden.

Professor Eric Robertson, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Royal Holloway, University of London

Das Forschungsvorhaben während des Stipendienzeitraum ist ein zweifaches und hängt mit der langjährigen kritischen Auseinandersetzung von Robertson mit dem Werk von Hans (Jean) Arp zusammen. Zum einen wird er einen eingehenden Blick auf die Korrespondenz zwischen Hans Arp und Curt Valentin und auf andere Dokumente ihrer Beziehung werfen. Die Recherchen werden sich auf eine Analyse von „Dreams and Projects“ konzentrieren, einen Band, den Arp mit der Hilfe von Curt Valentin herausgegeben hat. Zum anderen wird der Aufenthalt im Archiv und in der Bibliothek der Stiftung Arp e.V. Robertsons Forschungen zu seinem aktuellen Buch über Hans Arp unterstützen, welches die große Ausstellung zum Werk von Hans Arp am Hepworth Wakefiled 2016 begleiten wird. Durch den Zugang zu der umfassenden Arp Korrespondenz, ebenso wie zu den Gipsen und anderen Werken der Sammlung erhofft sich Robertson den kreativen Schaffensprozess der Arps vielfältiges künstlerisches Werk begleitet, neu zu reflektieren.

Professor Marta Smolińska, Kunsthistorikerin, Universität der Künste Poznań

Das Forschungsprojekt setzt sich mit der haptische Perzeption und der Rolle des Tastsinns in der Kunst und Kunsttheorie von Hans Arp auseinander. Wie bei Henry Moore und Constantin Brâncuși spielt die Taktilität in der Kunst von Hans Arp eine besondere Rolle. Bis heute fehlt jedoch eine gründliche Analyse der haptischen Wahrnehmung des Arpschen Werks. Mit dem Projekt soll die Aufmerksamkeit auf diejenigen Werke von Arp gelenkt werden, die mit dem von Alois Riegl entwickelten Begriff „haptisch” umschrieben werden können. Meiner Meinung nach kann eine kunstgeschichtliche Bearbeitung der Rolle des Tastsinns in der modernen und zeitgenössischen Kunst ohne die Analyse der Taktilität der Skulpturen Arps nicht durchgeführt werden. Viele KünstlerInnen, die sich mit dem Tastsinn in ihren Kunstschaffen intensiv befassen, berufen sich auf die für sie inspirierend wirkenden Werke von Arp. Ziel des Projektes ist mit Hilfe der Skulpturen von Arp als auch mit dem existierenden Archivmaterial eine Definition des Haptischen und der Taktilität auf der Basis von Arps Werken zu formulieren. Das Projekt soll nicht nur dazu beitragen einen neuen Zugang zu den Skulpturen von Hans Arp zu bekommen, sondern auch zu einer neuen bzw. modifizierten Definition des Haptischen/Taktiken in der Kunst beitragen.

Brandon Taylor, Professor Emeritus in History of Art, University of Southampton and Tutor in History and Theory of Art, University of Oxford, UK

Taylors Forschungen konzentrieren sich auf die Rezeption von Hans Arp in den USA in den 1940er und 1950er Jahren. Es ist ein Thema, das insbesondere vor dem Hintergrund der spezifischen künstlerischen und politischen Situation in den USA in dieser Zeit von besonderem Interesse ist, gerade auch im Vergleich zu den Werten und Bestrebungen der europäischen DADA-Bewegung. Ausgangspunkt der Untersuchung sind die sogenannten Duo-Zeichnungen und zerrissenen Collagen, die von Hans Arp und Sophie Taeuber gemeinsam seit den 1930er Jahren entstanden. Miteinfließen werden darüber hinaus die ersten Marmor- und Steinplastiken, die Arp in den 1930er Jahren schuf, und mit denen er die tradierten Werte formaler Ganzheit zugunsten einer additiven, formal kohärenten skulpturalen Praxis, aufgibt; dies tat er, ganz in dem Bewusstsein sich formaler Inkohärenz zu nähern. Die Aufgabe dieser künstlerischen „Ganzheit”-Modelle, lässt an die sogenannten Gestalttheorie in der Psychologie der Berliner Schule denken, ebenso wie an die Ganzheitspsychologie der Leipziger Theoretiker der 1920er und 1930er Jahre. Die dort formulierten  Wahrnehmungs- und Erkenntnismodelle wurden innerhalb der europäischen Phänemologie und ährend des Existezialismus krisiert oder ausgeweitet; letzterer wurde nicht ohne essentielle Änderungen in die Nachrkriegskultur der USA übersetzt. Die Karriere von Richard Huelsenbeck, Hans Arps Mitstreiter während der Dada-Zeit, ist ein interessantes Fallbeispiel für diese und ähnliche Entwicklungen. Taylors Forschungen werden sich insbesondere mit den schriftlichen und fotografischen Inhalten von Publikationen wie dem von Robert Motherwell herausgegebenen Band „Hans Arp. On my way” beschäftigen, die in der gefeierten Serie „Documents of Modern Art” erschien und von Witteborn Schulz 1947 verlegt wurde. Mit berücksichtigt  werden ebenso Arps Beteiligung in der Anthologie „The Dada Painters and Poets” (1951), ebenfalls von Motherwell herausgegen, sowie die Rezeption von Arps Einzelausstellungen in der Buchholz Gallery 1949 und 1950 sowie die große Hans Arp Retrospektive im Museum of Modern Art in New York 1958. Die Recherchen stehen im Kontext mit der Tagung 'Hans Arp und die USA', die Im Juni 2015 von der Stiftung Arp e.V. veranstaltet wird. 
 

 

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