2015

MARTIN BLANK

Bildhauer, Antwerpen

Die Gipse in der Sammlung der Stiftung Arp e.V. sind eine wichtige Quelle für die Atelierpraxis des Bildhauers Hans Arp. Ziel der Untersuchung ist eine Rekonstruktion der Funktion der einzelnen Gipse im Arbeits- und Produktionsprozess. Dazu werden in einem ersten Schritt alle Gipse auf Bearbeitungsspuren untersucht. In einem zweiten Schritt wird auf dieser Grundlage eine Terminologie für die Gipse von Hans Arp vorgeschlagen, die als Basis für weitere Forschung nach einzelnen Exemplaren dienen kann. Im dritten Teil der Untersuchung werden alle Gipse in der Sammlung mit dieser (vorläufigen) Terminologie beschrieben. Ausgeführt wird die Untersuchung von dem Bildhauer Martin Blank, der an der Akademie in Antwerpen die verschiedenen traditionellen Techniken im Umgang mit dem Material Gips lehrt. Die Rückkopplung mit kunsthistorischen Daten, die Entwicklung der Terminologie und die Ausarbeitung für zukünftige Forschung geschieht in enger Zusammenarbeit mit Arie Hartog, dem Herausgeber der „Bestandsaufnahme“, der seit vielen Jahren zur Atelierpraxis von Arp forscht.



STEPHANIE BUHMANN

Kunsthistorikerin, Kuratorin, New York

Das Projekt „Eine transatlantische Freundschaft – Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Frederick Kiesler“ bezieht sich auf die freundschaftlichen Beziehungen und die rege Korrespondenz zwischen Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und dem Österreichischen aber seit 1926 in New York ansässigen Künstler Frederick Kiesler (1890-1965). Die drei Künstler kannten sich seit den 1920er Jahren aus Europa. Durch ihre räumliche Trennung ergab sich die Möglichkeit einer angeregten Korrespondenz, die besonders einen intensiven Gedankenaustausch in Bezug auf die Ideen des Surrealismus, das Avantgarde Theater, die abstrakte Poesie und auf das Konzept einer räumlichen Kunst widerspiegeln. Das Projekt EINE TRANSATLATISCHE FREUNDSCHAFT sammelt und untersucht die dokumentierte Korrespondenz zwischen Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Frederick Kiesler, sowie Quellen anderer Künstler und Kunstvermittler, die sich auf die Freundschaft und Zusammenarbeit der drei Künstler beziehen. Überdies werden verschiedene Arbeiten der drei Künstler besprochen, die diesen Austausch, parallele Interessen und kreative Grundsätze auch visuell dokumentieren.



AGATHE MAREUGE

Germanistin, Universität Paris-Sorbonne

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Vorbereitung zu einer kritischen Werkausgabe des literarischen Gesamtwerks von Jean (Hans) Arp, welche die Dichtung – darunter auch die essayistischen Texte – in deutscher und in französischer Sprache umfassen soll. Bei der Entwicklung einer solchen Werkausgabe soll es nicht nur um eine reine Dokumentation der arpschen Poesie gehen, sondern vielmehr auch um die Deutung ihrer poetologischen und ästhetischen Ansätze und ihrer Kontextualisierung innerhalb der europäischen Avantgarde und der Nachkriegsmoderne. Die kritische Werkausgabe soll einen genaueren Einblick sowohl in den dichterischen als auch in den künstlerischen Schaffensprozess Arps gewähren, indem ähnliche Verfahrensweisen und Techniken erkennbar werden. Arps Tätigkeit als Herausgeber wird als wesentlicher Bestandteil seiner Poetik verstanden, wobei er zudem als einer der ersten Literaturhistoriker der Dada-Bewegung auftritt. Eine Gesamtausgabe mit umfassendem textkritischem Apparat, eingehendem Kommentarteil und vollständigem Register soll diese unterschiedlichen Aspekte im Œuvre des Dadaisten erhellen und eine fundierte editorische Grundlage zur weiteren Auseinandersetzung mit Arps Werk und mit dem Erbe der europäischen Avantgarden bieten. Im Rahmen des Stipendiums sollen mit Hilfe des Archivs und der Bibliothek der Stiftung Arp e.V. und der dort verwalteten Korrespondenz und Originalausgaben sowie weiterer Primär- und Sekundärliteratur ein tragfähiges Konzept für eine solche Werkausgabe entwickelt und die konkreten Bedingungen dafür erarbeitet werden.



ERIC ROBERTSON

Literatur- und Kulturwissenschaftler, Royal Holloway, University of London

Das Forschungsvorhaben während des Stipendienzeitraum ist ein zweifaches und hängt mit der langjährigen kritischen Auseinandersetzung von Robertson mit dem Werk von Hans (Jean) Arp zusammen. Zum einen wird er einen eingehenden Blick auf die Korrespondenz zwischen Hans Arp und Curt Valentin und auf andere Dokumente ihrer Beziehung werfen. Die Recherchen werden sich auf eine Analyse von „Dreams and Projects“ konzentrieren, einen Band, den Arp mit der Hilfe von Curt Valentin herausgegeben hat. Zum anderen wird der Aufenthalt im Archiv und in der Bibliothek der Stiftung Arp e.V. Robertsons Forschungen zu seinem aktuellen Buch über Hans Arp unterstützen, welches die große Ausstellung zum Werk von Hans Arp am Hepworth Wakefiled 2016 begleiten wird. Durch den Zugang zu der umfassenden Arp Korrespondenz, ebenso wie zu den Gipsen und anderen Werken der Sammlung erhofft sich Robertson den kreativen Schaffensprozess der Arps vielfältiges künstlerisches Werk begleitet, neu zu reflektieren.



MARTA SMOLIŃSKA

Kunsthistorikerin, Universität der Künste Poznań

Das Forschungsprojekt setzt sich mit der haptische Perzeption und der Rolle des Tastsinns in der Kunst und Kunsttheorie von Hans Arp auseinander. Wie bei Henry Moore und Constantin Brâncuși spielt die Taktilität in der Kunst von Hans Arp eine besondere Rolle. Bis heute fehlt jedoch eine gründliche Analyse der haptischen Wahrnehmung des Arpschen Werks. Mit dem Projekt soll die Aufmerksamkeit auf diejenigen Werke von Arp gelenkt werden, die mit dem von Alois Riegl entwickelten Begriff „haptisch” umschrieben werden können. Meiner Meinung nach kann eine kunstgeschichtliche Bearbeitung der Rolle des Tastsinns in der modernen und zeitgenössischen Kunst ohne die Analyse der Taktilität der Skulpturen Arps nicht durchgeführt werden. Viele KünstlerInnen, die sich mit dem Tastsinn in ihren Kunstschaffen intensiv befassen, berufen sich auf die für sie inspirierend wirkenden Werke von Arp. Ziel des Projektes ist mit Hilfe der Skulpturen von Arp als auch mit dem existierenden Archivmaterial eine Definition des Haptischen und der Taktilität auf der Basis von Arps Werken zu formulieren. Das Projekt soll nicht nur dazu beitragen einen neuen Zugang zu den Skulpturen von Hans Arp zu bekommen, sondern auch zu einer neuen bzw. modifizierten Definition des Haptischen/Taktiken in der Kunst beitragen.



BRANDON TAYLOR

Professor Emeritus in History of Art, University of Southampton and Tutor in History and Theory of Art, University of Oxford, UK

Taylors Forschungen konzentrieren sich auf die Rezeption von Hans Arp in den USA in den 1940er und 1950er Jahren. Es ist ein Thema, das insbesondere vor dem Hintergrund der spezifischen künstlerischen und politischen Situation in den USA in dieser Zeit von besonderem Interesse ist, gerade auch im Vergleich zu den Werten und Bestrebungen der europäischen DADA-Bewegung. Ausgangspunkt der Untersuchung sind die sogenannten Duo-Zeichnungen und zerrissenen Collagen, die von Hans Arp und Sophie Taeuber gemeinsam seit den 1930er Jahren entstanden. Miteinfließen werden darüber hinaus die ersten Marmor- und Steinplastiken, die Arp in den 1930er Jahren schuf, und mit denen er die tradierten Werte formaler Ganzheit zugunsten einer additiven, formal kohärenten skulpturalen Praxis, aufgibt; dies tat er, ganz in dem Bewusstsein sich formaler Inkohärenz zu nähern. Die Aufgabe dieser künstlerischen „Ganzheit”-Modelle, lässt an die sogenannten Gestalttheorie in der Psychologie der Berliner Schule denken, ebenso wie an die Ganzheitspsychologie der Leipziger Theoretiker der 1920er und 1930er Jahre. Die dort formulierten Wahrnehmungs- und Erkenntnismodelle wurden innerhalb der europäischen Phänemologie und ährend des Existezialismus krisiert oder ausgeweitet; letzterer wurde nicht ohne essentielle Änderungen in die Nachrkriegskultur der USA übersetzt. Die Karriere von Richard Huelsenbeck, Hans Arps Mitstreiter während der Dada-Zeit, ist ein interessantes Fallbeispiel für diese und ähnliche Entwicklungen. Taylors Forschungen werden sich insbesondere mit den schriftlichen und fotografischen Inhalten von Publikationen wie dem von Robert Motherwell herausgegebenen Band „Hans Arp. On my way” beschäftigen, die in der gefeierten Serie „Documents of Modern Art” erschien und von Witteborn Schulz 1947 verlegt wurde. Mit berücksichtigt werden ebenso Arps Beteiligung in der Anthologie „The Dada Painters and Poets” (1951), ebenfalls von Motherwell herausgegen, sowie die Rezeption von Arps Einzelausstellungen in der Buchholz Gallery 1949 und 1950 sowie die große Hans Arp Retrospektive im Museum of Modern Art in New York 1958. Die Recherchen stehen im Kontext mit der Tagung ‘Hans Arp und die USA’, die Im Juni 2015 von der Stiftung Arp e.V. veranstaltet wird.